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Schelle, Schelle, Sechser, Alli alde Hexe,

Hoorig, hoorig, hoorig isch de Bär

 

So und andere Narrenrufe wird man nun allerorts hören. Die Narrenzünfte aus Baden Württemberg haben jetzt Hochsaison.

Die Schwäbisch Alemannische Fasnacht hat ihren Ursprung in den Festen, die dazu dienten, verderbliche Lebensmittel vor Beginn der Fastenzeit aufzubrauchen. Derartige Veranstaltungen sind für ganz Mitteleuropa spätestens im 13. Jahrhundert nachgewiesen. Allerdings waren diese nicht mit der heutigen Fastnacht zu vergleichen und regional höchst unterschiedlich. Die erste Erwähnung der Gengenbacher Fasend geht zum Beispiel auf das Jahr 1286 zurück.( http://narrenzunft-gengenbach.de/index.php/geschichte.html ) Ein weiteres Mal wurde sie im Jahre 1360 im Archiv erfasst. Heute beruft sich die „Narrenzunft Gengenbach 1499 e.V.“ auf das Jahr anno „1499“. Ab dem 14. Jahrhundert, so liest man auf Wikipedia, kamen zum exzessiven Nahrungsmittelkonsum Bräuche wie Tänze, Umzüge und Fastnachtsumzüge dazu.

Nach einer Theorie des Münchener Volkskundlers Dietz-Rüdiger Moser wurde der Gegensatz zwischen dem fastnachtlichen Vergnügen und dem Entbehrungsreichtum der Fastenzeit zunehmend aber auch theologisch gedeutet. So wurde die Fastnacht schon bald mit dem Teufelsstaat „civitas diaboli“ gleichgesetzt, die Fastenzeit hingegen mit dem Gottesstaat „civitas Dei“. Aus dieser Denkweise heraus könnten sich Teufel oder Dämonen als frühe Fastnachtsfiguren entwickelt haben. Eine weitere zentrale Figur der damaligen Fastnacht, der Narr, wurde als Inbegriff von Vergänglichkeit, Gottesferne und Tod gesehen.

Bis ins 20. Jahrhundert war Fastnacht eine rein lokale Angelegenheit, und man feierte ausschließlich im eigenen Wohnort. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen die Narrenzünfte, sich in Narrenvereinigungen zu organisieren, und 1924 wurde die Vereinigung Schwäbisch-Allmanischer Narrenzünfte  (VSAN)http://www.vsan.de gegründet. Notwendig machten diesen überregionalen Dachverband die unsichere politische Lage sowie zahlreiche Fastnachtsverbote. Nun wollte man die Interessen der Narren gegenüber der Politik offensiv vertreten. Außerdem sah man sich der Pflege und Bewahrung des eigenen Brauchtums verpflichtet, was heute die Hauptaufgabe der Vereinigung ist.

Seit Dezember 2014 ist die schwäbisch-alemannische Fastnacht als nationales immaterielles Kulturerbe eingetragen.

(red)